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Paddelkleidung - Dress for water, not for air

Das Thema Paddelkleidung ist ein sehr Anspruchsvolles wie auch ein Einfaches. Und es gibt nur eine Meinung. Und es gibt viele Meinungen. Verwirrend?
Nein!
Was zählt ist das eigene Empfinden, die Wassertemperatur, die eigene Konstitution, Dauer und Schwere der Kälteeinwirkung, Entfernung zum Ufer, das eigene technische Können usw.

Die Kleidung richtet sich nicht nach dem Wetter. Kajaksport ist Wassersport. 35°C Außentemperartur und 10°C Wassertemperatur sind Extreme, gegen die es sich zu wappnen gilt. Würde doch bei diesen Außentemperaturen ein kurzärmeliges Sportshirt ausreichen, bei einem unfreiwilligen Bad ohne isolierende Bekleidung ist eine Katastrophe nahezu vorprogrammiert. Hierzu sollte man das PDF zum Thema „Kaltes Wasser“, welches auf der Webseite des Kölner Rudergesellschaft 1891 e.V. zu finden ist, gelesen haben: www.krg1891.de/Kaltes_Wasser.pdf

Um den in diesem Artikel beschriebenen Eintauchreflex abzufangen ist eine isolierende Bekleidungsschicht wichtig. Diese soll den Kälteschock mildern, indem sie die Wassertemperatur zum Körper hin thermisch isoliert. Es wird ein voller Temperatureinschlag auf den Körper verhindert, die Schockreaktion somit abgemildert.

Welche Bekleidung, ob Trockenanzug oder Neopren, hängt von den Eingangs beschriebenen Faktoren ab.



Neopren


Abbildung: Artistic Cervo LongJohn
Abb.: Artistic CERVO LongJohn aus 3mm Neopren, innen kaschiert mit Vlies

Neopren ist ein geschäumter, synthetischer Kautschuk. Hierbei wird die thermische Isolierung durch kleine, gleichmässig über die Dicke des Materials verteilte Gasbläschen erreicht. Neopren ist Wasserundurchlässig; ein daraus gefertigter Anzug muss jedoch eng am Körper anliegen, damit das Wasser an Öffnungen wie Kragen und Bündchen nur langsam einfließt. Auch nass bleibt die isolierende Wirkung erhalten.
Um den Tragekomfort oder die äußere Stabilität gegen Beschädigungen zu erhöhen sind die Oberflächen mit anderen Materialien kaschiert. Ein wie bei meinem Artistic CERVO LongJohn aus 3mm Neopren innen angebrachtes Vlies trägt sich sehr angenehm. Durch die Wasserundurchlässigkeit kann auch der Schweiß nicht verdunsten. Ein Neoprenanzug wird folglich auch dann Nass sein, wenn er einige Zeit getragen wurde und es keinen Wasserkontakt gab.
Für Kajakfahrer ist ein wichtiges Kaufkriterium die nötige Bewegungsfreiheit. Zu steif Auftragendes oder zu sehr einengendes Neoprenzeug wird nicht gerne getragen, kann auf Dauer zu Scheuerstellen führen oder gar in Extremsituationen behindern. Daher sind speziell für diesen Wassersportbereich gefertigte Anzüge oft vorgeformt (gebeugte Knie o.ä.) und an den nötige Stellen wie Schulterbereichen freigelassen.


Trockenanzug


Bei Wassertemperaturen unterterhalb der 10°C-Marke und/oder der Gefahr eines längeren Aufenthalts im Wasser (Beispiele: Wildwasser und offene Gewässer) wird bevorzugt der Trockenanzug eingesetzt. Er hält Dauerhaft das Wasser vom Körper fern, sofern er ohne Beschädigungen und richtig angelegt ist. Bei arktischen Lufttemperaturen kann darunter Thermo-Unterwäsche, Fleece-Pullis und andere wärmende Kleidung getragen werden. Als Unterkleidung empfiehlt sich Skiunterwäsche oder Unterwäsche aus Aquashell, mindestens aber sollte Nylon das bevorzugte Material sein. Baumwolle saugt Schweiß auf und leitet ihn nicht nach außen weiter. Die Atmungsaktivität wird damit stark rezuziert. Polyestergewebe hingegen nimmt keine Feuchtigkeit auf und leitet sie nach außen ab. Das Zeitfenster bis zum eintreffen der Rettungskräfte bei einem Notfall auf offenem Wasser erhöht sich immens.

Trockenanzüge gibt es als Einteiler oder Mehrteiler, aus Materialien wie PVC, Nylon oder Laminat. Mit Neoprenmanschetten oder solchen aus Latex. Angeboten auch als Atmungsaktiv. Die Palette scheint schier unendlich. Aber in erster Linie soll er trocken bleiben, gerade dann, wenn es rau wird oder brenzlig zugeht. Das Oberflächenmaterial muss extrem Strapazierfähig sein und darf nicht gleich bei Grundberührungen einreissen. Ein Loch und die Wirkung ist dahin. Daher werden teurere Anzüge an den Schwachstellen verstärkt. Wie beim Neoprenanzug ist auch hier darauf zu achten, dass der Schnitt den Anforderungen im Kajak oder Kanadier angepaßt ist.
Die Manschetten sind eine der Schwachstellen. Sie müssen nach zwei bis drei Jahren erneuert werden, je nach häufigkeit der Benutzung. Bei Allergie gegen Latex können Neoprenmanschetten verwendet werden.


Paddeljacken


Auch bei Paddeljacken gibt es massive Unterschiede in Form, Verarbeitung und Material. Atmungsaktive Paddeljacken erhöhen den Komfort. Für den Kajaker sind Paddeljacken ohne Kapuze sicher eine sehr gute Wahl, da eine aufgezogene Kapuze eine Rundumsicht stark mindert. Ein Südwester aus PVC oder wasserdichte Hüte wie die von Mammut, Jack Wolfskin u.a., die man auch zum Schutz vor der Sonne tragen kann, sind da die bessere Wahl.
Abbildung: Paddeljacke Palm Vector
Abb.: Die Palm „Vector Jacket Red“

Paddeljacken mit einem Frontzipper lassen sich recht einfach anziehen. Geschlossene Jacken werden wie ein Pullover über den Kopf angezogen. Der Vorteil der geschlossenen Jacke wird bei Regen von vorne oder der Seite deutlich. Vor allem, wenn der Reißverschluss aufgrund häufiger Nutzung seine Dichtigkeit verliert.
Auch Paddeljacken gibt es mit Manschetten aus Neopren oder Latex, aber auch ohne. Und für sommerliche Temperaturen hält der Handel kurzärmelige Paddelljacken parat.

Ich trage bei Wassertemperaturen unterhalb 15°C und der Gefahr des längeren Aufenthalts im Wasser einen Artistic CERVO LongJohn aus 3mm Neopren mit innen angebrachtem Vlies; der ist recht angenehm zu tragen, wie ich finde. Zum Schutze vor einer Auskühlung über den Kopf trage ich dann auch eine Ascan Beanie (Neoprenbeanie). Der sieht nicht nur im Vergleich mit anderen Neomützen relativ gut aus, er trägt auch nicht so dick auf, so dass ich auch den Regenhut darüber tragen kann.
Meine Palm Paddeljacke „Vector Jacket Red“ kommt an kühlen und (was sonst) an regnerischen Tagen zum Einsatz, natürlich in Verbindung mit einem Mammut Machu DryTech Hat. Darunter bleibt auch meine Brille trocken. Abbildung: Mammut Machu DryTech Hat
Mammut Machu DryTech Hat


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