Gefahren durch Wellen und Sog
Wellen
Einher mit den Wasserfahrzeugen, oder mit dem Wind, kommen die Wellen. Sie sind eine ganz besondere Spezies von
unberechenbar wilden Ungeheuern. Eine sehr schöne Beschreibung über Wellen auf See findet man in diesem
PDF auf www.Kanu.de
Wellen sind auf ruhigen Flüssen wie der Saar meist eine harmlose Erscheinung. Manchmal sind sie jedoch sehr ausgeprägt, mit tiefen Tälern. Ein anderes Mal rollen sie dicht zusammen auf das Boot zu oder tun sich zu Kreuzwellen zusammen. Grundwellen sind mir noch keine Begegnet. Diese spezielle Art der Wellen, deren Täler den Grund berühren, stellen sicher eine besondere Gefahr für Paddler dar. Wellen, die von Schiffen ausgehen, kann man mit etwas Erfahrung aus den Hüften heraus parrieren, oder man stellt sich im rechten Winkel zu ihnen, mit dem Bug voran. Geübte Paddler können auf ihnen sogar reiten.
Sog

Abb.1: Abhängig von Größe, Bauform und Schraube entsteht in der Nähe von Schiffen ein Sog (Pfeile).
Die Schraube zieht Wasser unter dem Schiff durch und seitlich zu sich heran und drückt es dann mit gewaltiger Kraft nach hinten weg. Durch den erzeugten Unterdruck wird ein Kajak in Richtung der Bordwand des Schiffes oder zur Schraube hin gezogen. Hier gilt es Abstand zu halten. Wenn das Schiff bereits einige Meter weiter gefahren ist kann man noch deutlich die Sauggeräuche und Schmatzer der sichtbaren Verwirbelungen und Strudel im Wasser hören. Selbst diese Verwirbelungen können ein Boot noch zum Kentern bringen und haben einen Sog in Richtung Grund. Also auch beim Queren hinter einem Schiff nicht allzu leichtsinnig sein und lieber mit Abstand und Geduld agieren.

Abb.3: Der Sog an der Schiffswand ist kaum zu erkennen, daher wird gerade von unerfahrenen Paddlern die Gefahr gerne unterschätzt. Moderne Rümpfe hinterlassen zudem kaum Heckwellen.
Sog entsteht aber nicht nur bei Schiffen. Brückenpfeiler, Anleger, Bojen - eigentlich fast alle vom Menschen in die Strömung eingebrachten Bauwerke erzeugen einen Sog; je nach Strömung mal mehr, mal weniger.

Abb.3: Am Fuße dieser Boje ist der Gefahrenbereich gut zu erkennen. Ein ähnliches Bild erkennt man an Wiffen, an denen schon so manches Boot zerbrochen ist.

Abb.4: Warntafel unmittelbar an einem Durchlassbauwerk
Das hier angesprochene Durchlassbauwerk stellt eine Verbindungen zu einem stehenden Gewässer hinter dem Rheindeich dar. Steigende und sinkende Wasserpegel und auch Wellen von Fachtschiffen können hier eine unberechenbare Wirkung auf das Verhalten des Wassers in der Folge von dadurch entstehender Strömung und damit auch der Sogwirkung ausüben.

Abb.5: Dieses Durchlassbauwerk stellt eine Verbindung dar zu einem stehenden Nebengewässer des Rheins.
Auch in den Fluss eingelassene Pfähle (sogenannte Wiffen), mit denen die Fahrrinne gekennzeichnet wird, können z.B. in der Strömung des Rheins selbst kleinere Motorboote zum Kentern bringen und stark beschädigen. Ein Kajak wird daran geknickt wie ein Streichholz.
Im Wildwasser gibt es auch sogenannte Siphons. Das sind Unterspülungen bzw. Unterhöhlungen von Steinen unterhalb der Wasseroberfläche, durch die ein Teil des Wassers abfließt. Auch hier kann ein starker Sog auftreten. Sie sind massiv gefährlich, wenn man in sie hinein gerät und unter Wasser gezogen wird.
Wehre
Berichte wie dieser aus der Sueddeutschen sollten zum Nachdenken anregen.
Aber was ist das, ein Wehr?
Wehre sind Bauten, die das Wasser stauen. Hinter einem Wehr entsteht durch das herabfallende Wasser eine Walze. Die Gefahr, in dieser Walze zu schaden zu kommen, ist immens hoch. Man kann den Sog der Walze kaum erahnen. Seine Kräfte sind von Bauart, Wasserstand, durchfließender Wassermenge und Wehrhöhe beeinflusst und können ein komplettes Boot hinabziehen. Es gibt innendrehende und außendrehende Walzen. Den Außendrehenden kann man gegebenenfalls entkommen, indem man mit kräftigen Schwimmstößen dem Gefahrenbereich entkommt; oder man nutzt die Kraft des Wasserfalls, lässt sich hinabziehen und sich mit der am Grund herrschenden wegführenden Strömung in ruhigeres Wasser tragen. Vorrausgesetzt, die Luft reicht.
Innendrehenden Walzen zu entkommen ist selbst geübten Schwimmern kaum bis gar nicht möglich.
Unterwasserhindernisse wie Steine oder Eisenstangen, in der Walze mitgenommene Gegenstände usw. können zu schweren Verletzungen führen, so dass der Paddler/Schwimmer sich anschließend nicht mehr orientieren kann oder gar Bewustlos ist.
Geübte und vorrausschauende Paddler lassen sich auf solch ein Abenteuer nicht ein und umtragen die Gefahrenstelle.
Buhnen
Buhnen nennt man die vom Ufer zur Flussmitte hin angelegten künstlichen Steinwälle. Sie sollen das Ufer schützen, indem sie die Strömungsgeschwindigkeit verringern. An den Spitzen jedoch entstehen besonders hohe Strömungsgeschwindigkeiten, die unmittelbar hinter den Buhnenspitzen Strudel bilden können. Diese sind von Kajakfahrern und Schwimmern zu meiden und stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Und nicht immer liegen sie Sichtbar an der Oberfläche, wie folgendes Foto zeigt. Es wurde gegenüber der Ketscher Rheininsel aufgenommen. Man kann die überspülten Buhnen am Oberflächenbild erkennen.
Abb.6: An der Wasseroberfläche erkennbare Buhnen
Bewegt sich ein Schiff den Rhein hinauf oder hinunter, so entstehen im Bereich der Buhnen zusätzliche Strudel. Ihre Größe steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Verdrängung und Geschwindigkeit der Schiffes.